Rechte Gewalt stoppen! - Demo in Bremen

Aktuelles Freitag, den 23. September 2011 um 15:48 Uhr Geschrieben von: Administrator

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In Bremen läuft momentan ein Prozess gegen sieben Personen, denen vorgeworfen wird, an einem Angriff auf eine Feier im Bremer Ostkurvensaal beteiligt gewesen zu sein. (Siehe auch Bericht in der TAZ). BAFF erklärt sich solidarisch mit den 2007 im Ostkurvensaal angegriffenen Fans von Werder Bremen.

Die Verharmlosung des Übergriffs als reine Auseinandersetzung zwischen Fangruppen verleugnet die eindeutige politische Motivation des Überfalls durch Angehörige der Bremer Naziszene und rechter Fangruppen. Die Dauer bis zur Eröffnung des Hauptverfahrens von vier Jahren und die vorgeschlagenen, im Hinterzimmer abgesprochenen niedrigen Strafen werden unserer Ansicht nach der Ungeheuerlichkeit des Angriffs nicht gerecht. Wir dokumentieren hier eine Stellungnahme des Fan-Projekts Bremen und von LidiceHaus und noch weitere Infos rund um diesen Vorfall und den Prozess.

 

„Rechte Gewalt stoppen! – Schluss mit der Verharmlosung von rechter Gewalt! Schluss mit der Entpolitisierung von Prozessen!“

Unter diesem Motto wird am kommenden Mittwoch, den 28.09.2011, eine Demonstration vom Weserstadion zum Amtsgericht stattfinden. Die Demonstration startet um 17 Uhr vor dem Ostkurvensaal. Der Grund dafür sind Prozesse gegen Mitglieder der rechten Szene. Sie führten im Januar 2007 einen Übergriff gegen antirassistische Fußballfans durch.

Mehr Infos zur Demo und den Hintergründen und die Möglichkeit, die Aktion (wie BAFF es auch tut) zu unterstützen findet ihr hier:

http://rechtegewaltstoppen.blogsport.de/

Presseerklärung des Bremer Fanprojekts: Das völlig falsche Signal!

Das Amtsgericht Bremen hat zum Prozessauftakt zum Überfall auf den Ostkurvensaal vor über 4 Jahren die Beendigung des Verfahrens gegen die Angeklagten gegen Bußgeld und ein Geständnis vorgeschlagen. Die 7 Angeklagten müssen dem nur noch zustimmen. Klar ist jetzt, dass das Amtsgericht davon ausgeht, dass es sich um einen Konflikt unter zwei Fangruppen von Werder handelt und dass die Beendigung des Verfahrens die Szene befriedet. Dies ist nicht der Fall, sondern im Gegenteil. Zumal es sich nicht um Konflikte zweier wie auch immer gearteter Fangruppen handelt, sondern um einen Überfall von Neonazis und Nazihooligans auf die Feier einer antirassistischen Fangruppe, um diese einzuschüchtern, mundtot zu machen und ihre antirassistische Arbeit beim Fußball zu verhindern. Die betroffenen Fans und das Fan-Projekt Bremen gehen nun davon aus, dass sie bei Beendigung des Verfahrens wieder Zielscheibe von erneuten körperlichen Übergriffen werden. Zudem kommt eine Beschädigung des Rechtsstaatverständnisses hinzu. So ist das Vertrauen in die verantwortlichen Behörden und Beamten bei den Werderfans schwer beschädigt, wenn nicht sogar erschüttert. Höchst problematisch war auch das Verhalten der Richter und der Beamten während des Prozesses. So konnten die "Unterstützer" der Angeklagten sich vermummt im Zuschauerraum aufhalten und Zuschauer des Prozesses ungehindert fotografieren. Als ein Mitarbeiter des Fan-Projekts einen Beamten darauf aufmerksam macht, wurde er von einem der vermummten "Zuschauer" bedroht und von einem der Verteidiger der Angeklagten gemaßregelt. Der Richter, als auch ein Justizbeamter griffen nicht ein. Da stellt sich die Frage: Wer war hier eigentlich der Herr des Verfahrens? Generell stellt sich die Frage, warum wurde weit über 4 Jahre ein Prozess angestrebt, der nun so schnell wie möglich wieder beendet werden soll? Das Fan-Projekt Bremen fordert deshalb alle zivilgesellschaftlichen Gruppen auf, dieser Verharmlosung von neonazistischen Aktivitäten in Bremen entgegen zu treten und sich mit den Betroffenen Werderfans zu solidarisieren.

 


 

Pressemitteilung zum Prozessbeginn am 22. 09. 2011 vor dem Bremer Amtsgericht

Vor dem Amtsgericht wird seit gestern, endlich nach mehr als 4 Jahren, über den brutalen Überfall auf eine FanVeranstaltung im Ostkurvensaal verhandelt. Bei diesem Überfall wurden mehrere Fans durch Angreifer aus dem rechten Hooligan Milieu verletzt, zwei von ihnen schwer. Der Überfall wird Mitgliedern und dem Umfeld der bundesweit als rechte Schlägergruppe bekannten „Standarte88 Bremen“ zugeordnet. Schon direkt nach dem Überfall und zu Beginn der polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gab es eine Vielzahl von Drohungen gegenüber Zeugen und Opfern, die u.a. dazu führten, dass seitens der Polizei und der Staatsanwaltschaft aufgrund der besonderen Gefährdungslage zwei Dinge zugesagt wurden:

Der Prozessauftakt gestern spiegelte von all dem nichts wieder. Beklagte als auch ihre zum Teil stattbekannten „Freunde“ aus dem rechten und Hooliganspektrum traten vermummt auf, fotografierten und beschimpften ohne irgendein Einschreiten seitens des Gerichtes Zeugen und Prozessbesucher. Die klare Haltung der Einschüchterung gegenüber Allen, die gegen Sie aussagen könnten, war allseits sichtbar. Das Gericht verhielt sich dazu in keiner Weise. Im Gegenteil: Seitens des Gerichtes wurden entgegen allen vorherigen Vereinbarungen Namen und Anschriften von Zeugen öffentlich genannt. Das Gericht akzeptiert offenbar alle Auftretensweisen der rechten Szene, vor dem Prozessbeginn, im Verfahren, in den Pausen, nach der Verhandlung als Besucher sich scheinbar sehr ermutigt gefühlt haben Zeugen und JournalistInnen nachzustellen. Der vorsitzende Richter zeigte deutliches Interesse, den Prozess als „Bagatelle“ zu handhaben, regte an, die Anklage einzuschränken und herunter zu stufen. Im Raum stehen Verwarnungen unter Strafvorbehalt im Umfang zwischen 30 und 90 Tagessätzen. Damit entgehen die brutalen Straftäter voraussichtlich, obwohl sicher nicht Ersttäter, einer Vorstrafe und Verurteilung. Zu Recht schreibt der Weserkurier dieses Verfahren sei nur noch zu übertreffen in der herangeführten Begründung: „der vorliegende Fall sei nicht so außergewöhnlich“ und weiter „1:0 für rechte Schläger“. Überfälle von Gruppen aus dem rechten Spektrum gegenüber Menschen und Einrichtungen, die sich für Demokratie und gegen Diskriminierung engagieren, sind keine „Auseinandersetzungen mit innerfamiliären Charakter“. Dieses so zu werten ist zutiefst falsch und zynisch gegenüber allen Opfern solcher Angriffe. Die Signale an die rechte Szene insgesamt sind verheerend: sie fühlen sich ermutigt und gestärkt, selbst schwere Körperverletzungen aus dem Umfeld von Gruppen die als gewalttätig und in der Rechten Szene verbunden sind, werden in Bremen aus den Anklagepunkten genommen, scheinbar um ein schnelleres Verfahren im Vorfeld einer Vorstrafenfähigen Verurteilung zu ermöglichen. Ihnen passiert scheinbar nichts, auch wenn sie Menschen verletzen und in Gefahr bringen. Jeder, der sich etwas in den Szenen auskennt, egal ob aus staatlichen oder zivilgesellschaftlich demokratischen Kreisen, weiß um die Gefahr eines erneuten Anstiegs von Einschüchterungen und Gewalt aus diesen Kreisen. Sie terrorisieren und bedrohen seit Jahren nicht nur sog. Linke Fan-Gruppen und antifaschistische Initiativen. Auch die gewalttätigen Überfälle auf unsere Einrichtung, das LidiceHaus und andere Einrichtungen der demokratischen Bildung und Kultur im Jahr 2008 zeigt die Bereitschaft, mit Gewalt gegen jeden vorzugehen, die ihnen und ihrer Ideologie „im Weg“ stehen. Wer darauf gehofft hat, dass alle Beteiligten der Justiz mit einer klaren Haltung und allen Mitteln der vorhandenen Gesetze auf solche Vorgänge reagieren wird, kann nur bitter entsetzt sein.

Für das LidiceHaus Team Andrea Müller, 23. 09. 2011

 


 

Radikal extrem – oder ein bunter Haufen?

Interview mit Wilko Zicht

Ein Überfall in der Fan-Szene von Werder Bremen beschäftigt das Amtsgericht Bremen. Sieben Hooligans aus der rechten Szene sollen im Jahr 2007 eine Feier von Werder-Fans aus der linken Szene gestürmt und eine Schlägerei begonnen haben, die mehrere Verletzte hinterließ. Ein Einzelfall – oder typisch für die Fanszene bei Werder Bremen?

Radio Bremen hat dazu mit Wilko Zicht, Bremer Politiker und Kenner der deutschen Fußballfan-Szene, gesprochen.

Radikal, extrem – oder ein bunter Haufen?

Radio Bremen: Herr Zicht, wie würden Sie in kurzen Worten die Fanszene in Bremen charakterisieren?

Wilko Zicht: Im Vergleich zu Vereinen wie HSV, Dortmund oder Schalke hat Werder eine verhältnismäßig kleine organisierte Fanszene. Ungewöhnlich ist die ziemlich trennscharfe Aufteilung in Fanclubs, Hooligans und Ultras. Hier gibt es kaum personelle Überschneidungen. Anderswo sind die Grenzen vergleichsweise fließend.

Zum ganzen Interview

 


 

Demonstration gegen rechte Gewalt und gegen rechtes Gedankengut/ Prozesse gegen Mitglieder der rechten Szene

Pressemitteilung 25.09.2011

„Rechte Gewalt stoppen! – Schluss mit der Verharmlosung von rechter Gewalt! Schluss mit der Entpolitisierung von Prozessen!“ Unter diesem Motto wird am kommenden Mittwoch, den 28.09.2011, eine Demonstration vom Weserstadion zum Amtsgericht stattfinden. Die Demonstration startet um 17 Uhr vor dem Ostkurvensaal. Der Grund dafür sind Prozesse gegen Mitglieder der rechten Szene. Sie führten im Januar 2007 einen Übergriff gegen antirassistische Fußballfans durch. Die Jubiläumsfeier der Ultra-Gruppe „Racaille Verte“ am 20.01.2007 wurde gezielt von Personen rund um die Hooligan-Gruppen „Standarte Bremen“ und „Nordsturm Brema“ (NSHB) angegriffen. Die Gruppen sind für ihre Verstrickungen in die rechte Szene bekannt. Zwei Gäste der Feier mussten im Krankenhaus behandelt werden, mehrere andere erlitten leichte Verletzungen. Hintergrund des Überfalls war die öffentliche Positionierung der Fangruppe gegen Rassismus und Diskriminierung. Der Angriff sollte die Fans einschüchtern und sie zur Billigung von rechten Aktivitäten im Stadion selbst und ums Stadion herum bewegen. Am vergangenen Donnerstag, den 22.09.2011, wurde nach vier Jahren und acht Monaten der Prozess gegen sieben Angeklagte in diesem Fall eröffnet. Nach einem Antrag der Verteidigung zur Einstellung des Verfahrens ist dieser Prozess nun fast schon wieder vorbei. Dabei sollen die Angeklagten mit der Mindeststrafe davonkommen. Als Begründung hierfür wurde die Länge der Ermittlungen vorgebracht. Zusätzlich wurde vorgetragen, dass mensch den Konflikt nicht weiter schüren wolle, da es sich um eine „szenetypische“ Auseinandersetzung handele. Als Argument der langen Ermittlungsdauer wurde immer wieder angebracht, dass die Zeug_innen zu lange für die Aussagen gebraucht hätten. Alle Zeug_innenaussagen lagen der Staatsanwaltschaft jedoch nach etwa drei Monaten vor. Das steht in keiner Relation zur Ermittlungsdauer von vier Jahren und acht Monaten. Es kann also nicht weiter von der Bremer Staatsanwaltschaft behauptet werden, die Länge der Ermittlungen hinge von den Zeug_innenaussagen ab. Weiterhin erscheint es unverständlich, dass der Oberstaatsanwalt Picard nach der langen Ermittlungsdauer zum Prozessbeginn im Urlaub ist. Für das Landgericht scheint dieser Prozess allerdings nicht gesellschaftlich wichtig genug zu sein, um ihn selbst zu verhandeln. Die Tat war keine Schlägerei zwischen Fußballfans, sondern der Versuch rechter Hooligans, antirassistische Jugendliche einzuschüchtern. Es handelt sich also keinesfalls um eine „szenetypische“ Auseinandersetzung. Dass es sich bei diesem Einschüchterungsversuch nicht um einen Einzelfall handelt, wurde der Öffentlichkeit am vergangenen Donnerstag vorgeführt. Die Täter sowie weitere Angehörige der rechten Szene traten zum Teil vermummt auf und bedrohten alle restlichen anwesenden Personen. Dies wurde von dem Richter und Sicherheitskräften nicht verhindert. Die Fußballfans haben seit langer Zeit mit dieser Bedrohungslage zu kämpfen. Rechtes Gedankengut ist ein gesellschaftliches Problem und damit auch in und um Fußballstadien herum präsent. Dafür steht exemplarisch der Angriff auf die sich antirassistisch engagierenden Fans des SV Werder Bremen. Wir lassen uns nicht einschüchtern und zeigen uns solidarisch mit den Opfern des politisch motivierten Übergriffs. Auf der Demonstration stellen wir uns gegen jede Verharmlosung und Entpolitisierung von rechter Gewalt und rechtem Gedankengut! Szeneinterner Konflikt? Nein! – Ein gesellschaftliches Problem!

Auf Facebook: Bündnis – RechteGewalt stoppen ; Demo: Antifa Demonstration Bündnis „Rechte Gewalt stoppen!“


Politisch blind: Prozess in Bremen zum Überfall auf Ultraszene

Der Überfall auf eine Feier von antirassistischen Bremer Ultras in den Räumen des Fanprojekts sorgte vor mehr als vier Jahren für große Empörung und führte zu Veränderungen in der Werder-Fanszene. Vergangene Woche wurde der Prozess gegen die Angeklagten aus der Neonaziszene eröffnet. Die politische Dimension spielte für das Gericht, das ein schnelles Ende des Prozesses anstrebt, dabei keine Rolle.

Bereits das selbstbewusste und siegessichere Auftreten der Angeklagten und ihrer Unterstützer im Gerichtssaal sprach Bände. „Es waren etwa 20 Neonazis anwesend, ein Teil davon sogar vermummt“, berichtet Thomas Hafke vom Fanprojekt Bremen, der den Prozess beobachtet hat. „Ich durfte keinen Fotoapparat mit hineinbringen, bin aber selbst von ihnen mit dem Handy fotografiert worden. Auf meine Beschwerde hat der Gerichtsdiener nicht reagiert, einer der Anwälte hat mich dann beschuldigt, Öl ins Feuer zu gießen. Also eine komplette Verdrehung der Tatsachen.“

Die Vorgeschichte

Der vergangene Woche vor dem Amtsgericht Bremen eröffnete Prozess – der vermutlich diese Woche schon wieder beendet sein wird – befasst sich mit einem Vorfall, der die Fanszene des Vereins entscheidend geprägt hat: Vor mehr als vier Jahren, am 20. Januar 2007, wurde eine Jubiläumsfeier der Ultragruppe „Racaille Verte“ in den Räumen des Bremer Fanprojekts im Stadion, im sogenannten Ostkurvensaal, überfallen.

Zum ganzen Bericht

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