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Stellungnahme der KOS zum "Runden Tisch" am 14.11.11

Positionen der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj (KOS) anlässlich des „Runden Tisches“ am 14. November 2011 im Bundesinnenministerium in Berlin

Angesichts der Debatte um Fangewalt, Pyrotechnik und Sicherheit in den Stadien wie auf den Reisewegen im Rahmen von Fußballspielen betont die KOS, dass der partnerschaftliche Dialog aller Beteiligten trotz der aufgeregten Berichterstattungen und Wortmeldungen der vergangenen Wochen weiterhin im Vordergrund stehen muss.

Aus unserer Perspektive sind folgende sechs Punkte für einen angemessenen Umgang mit der aktuellen Situation prioritär:

1.)   Moderation durch Runden Tisch unter Einbeziehung aller Beteiligten

Unserer Ansicht nach sorgt die Bezeichnung „Runder Tisch“ für das am 14.11. 2011 stattfindende Gespräch auf Einladung des Bundesinnenministers und des Vorsitzenden der IMK zwischen Fußballverbänden, Sicherheitsbehörden und des Innenministeriums, unter Teilnahme der KOS für nachvollziehbare Irritationen. „Spitzengespräch Politik und Fußball“ wäre unter Umständen zutreffender gewesen. Ein „Runder Tisch“ sollte mit Blick auf die Erfahrungen dieses Instruments in der Nachwendezeit alle Konfliktparteien an einen Tisch bringen und dabei die Moderation und Vermittlung unterschiedlicher Interessenlagen als Ziel haben. Von daher fehlt ein wirklicher „Runder Tisch“ bislang auf bundesweiter Ebene und sollte fest installiert werden. Womöglich könnte die im Vorfeld durch die Fußballverbände ins Spiel gebrachte „Task Force Sicherheit“ eine solche Rolle übernehmen. An diesem „Runden Tisch“ sollten dann zwingend Vertreter/innen der Fanszenen teilnehmen.

2.)   Konfliktfelder differenziert betrachten

Um sachgerechte Lösungen zu ermöglichen, dürfen die Gewaltentwicklung in Teilen der Fankultur und das Thema Pyrotechnik nicht miteinander vermischt werden.

Die KOS bedauert, dass die positive Intention der von 55 Ultragruppen getragenen Kampagne „Emotionen respektieren – Pyrotechnik legalisieren“ in der öffentlichen Debatte untergegangen ist. Mit der Kampagne war das Ziel verbunden, die Atmosphäre in den Stadien positiv zu beeinflussen und zu mehr Sicherheit beizutragen, indem Böller, Leuchtspurmunition und Rauchpulver aus den Stadien verschwinden sollten. Die Gesprächsbereitschaft der vereinsübergreifend vernetzten Ultraszenen in alle Richtungen und der dokumentierte Wille, Eigenverantwortung zu übernehmen, dürfen nicht unter den Tisch fallen.

Es gibt weiterhin viele Ultraszenen, die kein Interesse an einer Gefährdung von Stadionbesuchern durch Böller oder Rauchbomben haben. Diesen Fanszenen muss der Rücken gestärkt werden und Pauschalisierungen sollten tunlichst vermieden werden. Es sollte nicht vergessen werden, dass bengalische Feuer noch Ende der 90er Jahren aktiv geduldet wurden und ihr Abbrennen von den Fans ausschließlich als Beitrag zu einer positiven Stimmung gedacht war und auch so, u.a. von den Medien, wahrgenommen wurde.

3.)   Dialog und Prävention vor Repression

Aus Perspektive der KOS sind die polizeilichen, fußballverbandlichen und juristischen Möglichkeiten zur Sanktionierung von Fehlverhalten von Fußballfans ausreichend. Wir begrüßen, dass wie beispielsweise in Hannover, Magdeburg oder dem Bundesland Nordrhein-Westfalen zunehmend polizeiliche Einsatzkonzepte entwickelt und umgesetzt werden, die auf Dialog, Differenzierung und der Respektierung von Fankultur Wert legen und trotzdem eine konsequente Strafverfolgung ermöglichen. Die Evaluation der Umsetzung des modernen polizeilichen Einsatzkonzeptes in Hannover zeigt, dass längerfristig sowohl gewaltträchtige Vorfälle wie auch die Zahl der eingesetzten Polizeibeamten rückläufig sind.

Sanktionen wegen Fehlverhaltens sollten in jedem Fall der Schwere des Vergehens angemessen sein und möglichst keine Unbeteiligten in Mitleidenschaft ziehen. Nur so ist eine Akzeptanz der Maßnahmen in der Fanszene zu erreichen.

4.)   Zum Dialog gibt es keine Alternative

Lösungen sind nur mit allen Beteiligten, das heißt, nur gemeinsam mit den Fans/Ultras zu erreichen. Nur wenn Fußballfans als ernsthafte Gesprächspartner akzeptiert werden und sie kontinuierlich und zuverlässig an sie betreffenden Entscheidungen beteiligt werden, kann es gelingen, den vorhandenen problematischen Entwicklungen der Fanszene (Gewaltbereitschaft, Rücksichtslosigkeit, Überhöhung der eigenen Gruppe … ) von innen heraus etwas entgegen zu setzen.

5.)   Global denken - lokal analysieren und lokal lösen

Die vereinfachenden Verallgemeinerungen, die derzeit zum Thema „Gewalt beim Fußball“ den öffentlichen Diskurs dominieren, sind für zielführende und sachgerechte Maßnahmen kontraproduktiv. Dresden ist nicht Mönchengladbach und Hamburg nicht Saarbrücken. Die lokalen Fanszenen, die spezifischen Situationen an den einzelnen Fußballstandorten, wie auch die jeweilige Zusammenarbeit aller Beteiligten vor Ort unterscheiden sich immens voneinander. Die einfache Übertragung einzelner und lokaler Vorfälle in einen bundesweiten Trend wird der Sachlage nicht gerecht. Nur an den wenigsten Standorten gibt es Konfliktlagen, die besorgniserregend sind.

6.)   Fanprojektarbeit ausbauen

Nach dem letzen Gespräch im Bundesinnenministerium am 23. April 2010 wurde die Bedeutung der Prävention betont und der Ausbau der professionellen Fanarbeit angekündigt. In diesem Zusammenhang ist zu begrüßen, dass die DFL die Hauptamtlichkeit der Fanbeauftragten der Vereine zur Lizenzierungsbedingung erhoben hat.
Bei den Fanprojekten, Einrichtungen der örtlichen Jugendhilfe, hält die strukturelle wie personelle Ausstattung nicht mit den großen Erwartungen Schritt, die an die soziale Arbeit mit jugendlichen Fußballfans geknüpft werden. Die Fanprojekte arbeiten unabhängig von den Fußballvereinen, ihre Arbeit kommt in erster Linie den jungen Bürgerinnen und Bürgern der Kommunen und Bundesländern zugute.

Im Durchschnitt arbeiten nur zwei hauptamtliche Fanprojekt-Mitarbeiter/innen mit Fußballfans, der zurzeit wohl attraktivsten jugendlichen Subkultur. Nur 14 von inzwischen 50 Fanprojekten in Deutschland sind mit der erforderlichen Summe von 180.000 Euro, die auch im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit empfohlen wird, ausgestattet.

Die an vielen Orten prekäre Situation der Fanprojekte hat sich seit dem „Runden Tisch“ im April 2010 nicht verbessert, vielmehr sind aktuell die erfolgreichen Fanprojekte in Trier, Augsburg und Kaiserslautern aufgrund von avisierten Kürzungen der Öffentlichen Hand von der Schließung bedroht. Der Schlüssel zu einer Verbesserung der Situation liegt an dieser Stelle bei einem stärken Engagement der Kommunen und Bundesländern, die für die Arbeit der Fanprojekte (haupt-)verantwortlich sind.

Frankfurt am Main, 14.11.2011

 

Quelle und weitere Informationen:

http://www.kos-fanprojekte.de/index.php?id=news-14112011

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