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BAFF-PM, 28.7.2013: Das Dagegensein nicht verbieten!

Der Verein Fortuna Köln hat einem Fanclub für das Regionalliga-Spiel gegen Alemannia Aachen am 26.07.2013 das Aufhängen von Bannern mit antirassistischer Botschaft verboten. Als Grund dafür wurde angegeben, dass man nicht provozieren, sondern ein „friedliches Fußballfest feiern“ wolle. Konkret ging es um Fahnen mit der Aufschrift "Fight Racism" und "Kein Fußball den Faschisten".

 

 

 

 

BAFF lehnt eine solche Einflussnahme Fortuna Kölns auf den antirassistischen Fanclub "SC Mülltonn" entschieden ab. Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Verein es im vorauseilenden Gehorsam den rechtsoffenen Teilen der Fanszene Alemannia Aachens Recht machen möchte und Botschaften, die lediglich dem gesunden Menschenverstand entsprechen, aus diesem Grund untersagt werden. Dabei werden in offiziellen Haltungen des DFB und der DFL immer wieder Zivilcourage gegen extrem rechte Tendenzen gefordert, "rote Karten gegen Rassismus" gezeigt und Preise für ein Engagement gegen Diskriminierung verliehen. Es scheint aber einen gewaltigen Unterschied zu machen, ob solche Statements von Offiziellen abgegeben werden oder aber von einem Fanclub.

 

 

 

Eine ähnliche Reaktion zeigte der Verein Energie Cottbus erst Anfang Juli, als dieser ein geplantes Testspiel gegen den israelischen Fußballverein Maccabi Tel Aviv aus Angst vor Übergriffen der eigenen Fanszene absagte. Die Gruppe „Inferno Cottbus“, der aufgrund ihrer Nähe zu neonazistischen Strukturen verboten wurde Gruppensymbolik zu verwenden und als Gruppe im Stadion in Erscheinung zu treten, hatte dazu aufgerufen dieses Spiel zu besuchen.

 

 

 

Ein weiteres Beispiel der schizophrenen Haltung im deutschen Fußball zeigt sich in den Stadionordnungen so namhafter Vereine wie Borussia Dortmund, dem 1.FC Kaiserslautern, Borussia Mönchengladbach, Dynamo Dresden oder Hansa Rostock (die so oftmals noch ihr vermeintlich verstärktes Engagement "gegen Rechts" bewerben): Neben einem Verbot extrem rechter Insignien wird in einem Atemzug auch die Untersagung vermeintlich "linksradikaler" oder "linksextremer" Symbolik genannt. Darunter fallen häufig auch Botschaften wie jene auf den beiden Bannern des "SC Mülltonn". Dabei wird nicht gesehen, dass eine Absage an Rassismus und Faschismus keineswegs eine rein linke oder gar radikale Haltung, sondern eine urdemokratische Forderung gegen das Wirken extrem rechter Protagonisten innerhalb und außerhalb der Stadien ist. Die Gleichsetzungstendenz einzelner Vereine ist in unseren Augen nicht nur unangemessen, sondern unterstützt auch die Position vieler Rechten, die scheinheilig "Politik aus dem Stadion" verlangen.

 

 

 

Ein großes Problem hat dabei Alemannia Aachen. In den Reihen und im Umfeld der "Karlsbande Ultras" und der „Alemannia Supporters“  finden sich Überschneidungen zu der Partei "Die Rechte", die nach dem Verbot verschiedener Kameradschaftsstrukturen in Nordrhein-Westfalen entstanden ist.  Aus dieser Geisteshaltung heraus wurde nicht nur eine Gruppe, die sich gegen Diskriminierung aussprach, wie die "Aachen Ultras" gewaltsam aus dem Stadion gedrängt, sondern es wurden auch Drohungen gegenüber dem  "SC Mülltonn" ausgesprochen. Dass diesen nun untersagt wird für universelle Werte  wie eine Absage an Rassismus öffentlich einzutreten, lässt uns fassungslos den Kopf schütteln. Ein vorauseilendes Einknicken vor rechten Tendenzen ist ein fatales Signal und Wasser auf den Mühlen rassistischer Akteure. Daher fordern wir den Verein Fortuna Köln sowie den DFB zu einer Stellungnahme zu diesem repressiven Vorgang auf, der jegliches offizielles Engagement von Vereinen, Landesverband und DFB gegen Diskriminierung ad absurdum führt.

 

 

 

BAFF im Juli 2013

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